Was ist eigentlich Stress?
- Lena alias Fräulein Ruhe
- 16. Juli 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Dez. 2025
Was ist eigentlich Stress? Und wieso wäre es manchmal besser, der Fachleiter wäre ein Säbelzahntiger? Das erfährst du in diesem Beitrag.
Was ist Stress?
Stress ist - ganz neutral betrachtet - erstmal eine Reaktion des Körpers. Wenn du dich in einer Situation befindest, in der dein Körper Stress empfindet, wird er vermehrt Stresshormone ausschütten. Diese sorgen dafür, dass deine Muskeln besser durchblutet werden. Es fließt mehr Sauerstoff durch deinen Körper, da die Atmung tiefer wird und jeder Atemzug mehr Sauerstoff in deinen Körper transportiert. Der Körper schaltet auf den Abbau von Energiereserven. Organe wie der Darm werden in ihrer Aktivität gehemmt. Im übertragenden Sinne könnte man sagen: Dein ganzer Körper geht sozusagen in Alarmbereitschaft und mobilisiert eine ganze Armee aus Helfern, die dein Überleben sichern.
Wären wir in der Steinzeit und der Stress würde dadurch ausgelöst, dass du vor einem riesigen Säbelzahntiger davonlaufen müsstest, wüsste deine kleine Stress-Armee in deinem Körper jetzt genau, was zu tun ist. Diese ganzen Reaktionen sind auch als „Fight-or-flight“-Reaktion bekannt. Während du rennst, wird über die Bewegung langsam das Adrenalin abgebaut. Irgendwann würdest du deine schützende Höhle erreichen, oder der Säbelzahntiger würde vielleicht sein Interesse verlieren (oder, im ungünstigsten Fall, dich einfach als Mittagsmahlzeit schnabulieren). Wir gehen mal vom günstigsten Fall aus und rechnen damit, dass du sicher in deiner Höhle ankommst. Darüber wärst du vermutlich berechtigterweise ziemlich glücklich. Dein Körper würde Glückshormone wie Serotonin und Dopamin ausschütten, die am Abbau der Stresshormone mitwirken. Irgendwann würdest du schrecklichen Hunger bekommen und deine Energiereserven wieder auffüllen. Und dann würdest du trotz deines stressigen Erlebnisses auf der Jagd erschöpft, aber glücklich einschlafen, weil du dich nach dem vollständigen Abbau der Stresshormone völlig fertig fühlen würdest und eine Pause bräuchtest. Die Stresssituation wäre überstanden.
In einer für dich unbekannten Situation Stress zu empfinden, ist also ganz normal und letztlich der Ausdruck deines Körpers dafür, dass er sich um dein Überleben kümmert.
Und was passiert bei der aufregenden Lehrprobe?
Nun gibt es allerdings ein kleines Problem: Im Referendariat stehst du eher selten einem Säbelzahntiger gegenüber, auch wenn es vielleicht Fachleiterinnen und Fachleiter gibt, die für dich manchmal so wirken. Der Stress ist anderer Art, aber in deinem Körper passiert dasselbe, wenn du dich auf eine Lehrprobe vorbereitest: Deine Atemfrequenz steigt, die Muskeln werden besser durchblutet, du schwitzt, damit dein Körper seine Temperatur regulieren kann, kurz: Die ganze Armee wird losgeschickt. Und nun stehen deine Helferlein da und warten. Und warten. Und auch nach deiner 45-minütigen Lehrprobe stehen sie noch da, weil die Überlebensstrategien, die sie unterstützen (Laufen, so schnell du kannst, oder ums Überleben kämpfen) in unserer modernen und zivilisierten Welt nicht mehr die Strategien sind, die für uns in einer Stresssituation hilfreich sind. Der Körper reagiert mit jahrtausendealten Strategien auf völlig veränderte Bedingungen.
Was passiert aber jetzt mit den ganzen Stresshormonen, wenn die stressige Lehrprobe vorbei ist? Da du in der Klasse selten wie verrückt durch die Gegend rennen wirst (höchstens vielleicht dann, wenn alle anderen weg sind), kann dein Körper nicht bereits in der Situation anfangen, die Stresshormone durch Bewegung abzubauen. Die akute Stressphase ist außerdem ausgedehnter. Sie dauert je nach Situation eine Schulstunde, die Zeit, die das anstrengende Gespräch mit deiner Schulleitung eben benötigt - oder was auch immer sein mag, was dir gerade Stress macht. Wenn alles gut läuft, werden nach der überstandenen Situation ebenfalls Glückshormone ausgeschüttet, die deinem Körper helfen, die Stresshormone abzubauen. Es kann – nein, es wird mit Sicherheit, denn das passiert jedem! - aber auch mal Stunden geben, die nicht gut laufen. Das ist vollkommen normal, schließlich lernst du noch. Für deinen Körper bedeutet in diesem Fall die Nachbesprechung der Stunde aber einen weiteren Stressfaktor. Meistens weiß man selber ganz genau, was schiefgelaufen ist. Trotzdem ist es in den meisten Bundesländern Pflicht, die Stunde nachzubesprechen. Da hörst du dann noch einmal, was alles schiefgelaufen ist und was du nächstes Mal anders machen musst, dabei wäre es eigentlich dringend nötig, dass du dich zurückziehen kannst, um dich nach der stressigen Stunde zu entspannen (oder mal eine ordentliche Runde zu heulen, um die Anspannung loszuwerden). Und wenn du nach dieser Besprechung nach Hause kommst, wartet schon der Unterricht für den nächsten Tag darauf, von dir vorbereitet zu werden. Der Kreislauf aus Alarmphase mit Ausschüttung der Stresshormone – Alarmbereitschaft und Reaktion – Erholung, Entspannung und Abbau der Stresshormone wird also um seinen letzten Punkt gekürzt. Erholung und Entspannung fallen aus und damit auch der Abbau der Stresshormone, zumindest teilweise. Und das ist ein Problem. Denn das kann zu verschiedenen Stresssymptomen führen.
Was du dagegen tun kannst, dazu kommen hier auf dem Blog nach und nach immer mehr Tipps, Tricks und Tools zusammen, mit denen du den Stress in Schach halten kannst. Schau dir dazu gern auch die anderen Beiträge an!

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