Warum ein Referendariat ganz ohne Stress nicht möglich ist (und auch nicht wünschenswert)
- Lena alias Fräulein Ruhe
- 18. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Dez. 2025
Kennst du das?
Manchmal würdest du dir wünschen, dass es einfach ganz leicht ist. Dass du dich nicht mehr unsicher fühlen musst, keine Sorge vor dem nächsten Unterrichtsbesuch hast und nie mehr hinterfragst, ob die Stundenplanung wirklich so gut gelungen ist.
Das kann ich gut nachvollziehen. Solche Gefühle werden von uns gerne als "schlechte Gefühle" bewertet und wir tun sehr viel, um sie zu vermeiden (Nicht nur im Referendariat, übrigens. Genau aus dem Grund sind so viele Menschen abhängig von Alkohol, Schokolade, dem Internet oder anderen Dingen, mit denen wir unsere Gefühle betäuben).
Ausbruch aus der Komfortzone = Lebensgefahr für das Gehirn
Aber: Gerade im Referendariat wird es nicht möglich sein, diese Gefühle auszuschalten.
Das liegt an einem einfachen Grund: Du bist nicht mehr in deiner Komfortzone, also dem Bereich, in dem du genau weißt, wie alles funktioniert und bereits die Kompetenzen erworben hast, die du brauchst.
Stattdessen befindest du dich irgendwo zwischen der Angstzone, der Lernzone und der Wachstumszone, und das jeden Tag. Unterrichtsstunde, Klassenleitung, Besuch, Reflexion des Unterrichts vor anderen - all diese Dinge tust du zum ersten Mal, oder zumindest zum ersten Mal im Referendariat, falls du vorher schon an einer Schule gearbeitet hast.

Nun ist es aber so: In der Komfortzone weiß dein Gehirn, dass du nicht in Gefahr bist. Sobald du sie verlässt, wächst du dagegen jeden Tag ein Stückchen, mit jeder Veränderung und jeder neuen Erfahrung. Und das bedeutet für dein Gehirn: Lebensgefahr! (Die Aufgabe deines Gehirns ist es nämlich nicht, dich zu einer tollen Lehrkraft werden zu lassen, die selbstreflektiert und stressresilient ist, sondern schlicht und einfach, dich am Leben zu halten. Und das geht am besten, wenn du da bleibst, wo dein Gehirn sich auskennt, nämlich in der Komfortzone).
Die wirklich lohnenswerte Erfahrungen liegen außerhalb deiner Komfortzone
Wenn es nach unserem Gehirn ginge, würden wir also immer schön auf dem Sofa sitzen bleiben. Aber, du ahnst es schon: Die wirklich lohnenswerten Dinge liegen außerhalb deiner Komfortzone!
Wenn dein Kopf dir also das nächste Mal erklärt, warum du das alles gar nicht schaffen kannst und lieber Alpakazüchter in den Bergen werden solltest, kannst du ihm liebevoll sagen, dass du schon weißt, was du tust, und es sich am Ende lohnen wird, diese Gefühle durchzustehen.
Lebenslanges Lernen findet (du ahnst es schon) ebenfalls außerhalb der Komfortzone statt
Und darum ist es auch nicht wünschenswert, wenn du dich nie wieder unsicher fühlst oder dein Handeln in Frage stellst. Der Beruf der Lehrkraft setzt lebenslanges Lernen voraus, du wirst deine Komfortzone immer wieder verlassen (müssen). Wenn du dir zu selbstsicher bist, nimmst du dir aber die Möglichkeit dazu und verharrst in der Komfortzone. Und genau das wollen wir ja verhindern :)
Also: Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt, manchmal ist es wichtig, auch ungemütliche Zeiten zu überstehen.
Wichtig ist mir hier wie immer: Wenn es dir dauerhaft nicht gutgeht, wenn du dich permanent erschöpft fühlst oder du das Gefühl hast, dass dich der Stress krank macht, dann such dir bitte Hilfe! Denn dann reicht ein wenig Selbstfürsorge vermutlich nicht mehr aus. Adressen und Beratungsstellen für dein Bundesland findest du im Internet.

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