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Selbstfürsorge im Referendariat

  • Lena alias Fräulein Ruhe
  • 20. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Um eine stressige Zeit wie das Referendariat möglichst gut zu überstehen, ist es immer wichtig, gut auf sich selber aufzupassen. Das wissen wir eigentlich auch alle, es geht aber manchmal im Alltag ein wenig unter. Hier kommen daher ein paar Gedanken zum zentralen Konzept "Selbstfürsorge".


Selbstfürsorge heißt im exakten Wortsinn erstmal genau das, was die einzelnen Wortbestandteile schon andeuten: Für sich selbst sorgen. Luise Reddemann, eine renommierte Psychoanalyse, definiert:


„Ich verstehe darunter einen liebevollen, wertschätzenden, achtsamen und mitfühlenden Umgang mit mir selbst und Ernstnehmen der eigenen Bedürfnisse.“ (Luise Reddemann)


Selbstfürsorge bedeutet in erster Linie: Auf sich Acht geben. Die körperlichen Bedürfnisse nach Nahrung, Getränken, Schlaf oder Bewegung wahrnehmen und befriedigen. Sich Phasen der Ruhe zu gönnen. Es ernst nehmen, wenn der Körper dir signalisiert, dass er zum Beispiel gerade sehr müde ist.

Das ist eigentlich selbstverständlich, könnte man meinen. Aber sicherlich kommen dir auch die Phasen bekannt vor, in denen es ganz anders läuft: Phasen, in denen man viel zu wenig schläft, weil die Abschlussarbeit ja fertig werden muss, in denen es zum Abendessen eine schnelle Tiefkühlpizza gibt und man sich dann fix wieder an den Schreibtisch begibt und in denen man irgendwann feststellt, dass man seit Wochen nicht mehr vor der Tür war. Gerade in anstrengenden Lebensphasen muss man sich manchmal noch ein bisschen mehr anstrengen und sich bewusst dafür entscheiden, sich gut um sich zu kümmern. Das Gute daran ist: Langfristig wird vieles einfacher, wenn du selbstfürsorglich mit dir umgehst und gut auf dich achtest. Für dich getestet!


Die fünf Ebenen der Selbstfürsorge


Nach Luise Reddemann lässt sich Selbstfürsorge in fünf verschiedene Ebenen unterteilen:

  • Körperliche Selbstfürsorge: auf die eigene Gesundheit achten, indem du dich gesund ernährst, genug schläfst, Vorsorgetermine beim Arzt wahrnimmst, dich bewegst, Entspannung in dein Leben einbaust...

  • Emotionale Selbstfürsorge: auf die eigenen Gefühle achten, sie auch aussprechen und danach handeln, eigene Bedürfnisse wahrnehmen, Spaß und Freude erleben, zum Beispiel bei Hobbys, Zeit für sich nehmen...

  • Intellektuelle Selbstfürsorge: sich mit sich selber auseinandersetzen, zum Beispiel in Form eines Tagebuchs, eigene Persönlichkeitsstrukturen erforschen, Glaubenssätze identifizieren und verändern...

  • Soziale Selbstfürsorge: auf das Zusammenleben mit den Mitmenschen achten – Konflikte ansprechen, sich mit wertschätzenden Menschen umgeben…

  • Spirituelle Selbstfürsorge: sich über die eigenen Werte bewusst sein, danach leben, Dankbarkeit und Optimismus praktizieren...


Diese Aufzählung ist dabei weniger als eine Liste zu verstehen, die du abhaken sollst, sondern eher als Bereiche, die du im Kopf haben solltest. In stressigen Lebensphasen kommen oft zwangsläufig einer oder mehrere dieser Bereiche zu kurz. Umso wichtiger ist, dass du das im Hinterkopf behältst und gezielt gegensteuern kannst. Zum Beispiel, indem du gerade in stressigen Zeiten nicht zur Tiefkühlpizza greifst, sondern deinem Körper ein gutes Essen gönnst.


Selbstfürsorge? Ehrlich? Wie soll ich denn dafür Zeit finden?


Ja. Selbstfürsorge. Ehrlich. Gerade wenn man keine Zeit hat, sollte man besonders gut darauf achten, sich um sich selbst zu kümmern. Besonders in stressigen Zeiten ist Selbstfürsorge essentiell wichtig. Dafür gibt es ein Bild, was ich sehr passend finde: Wenn du eine Blume besitzt, musst du sie regelmäßig gießen und düngen. Und zwar mindestens wöchentlich. Es nützt einer Blume nichts, wenn du sie vier Wochen im Jahr mit Wasser und Dünger verwöhnst und täglich damit überschüttest, wenn sie im restlichen Jahr absolut nichts von dir bekommt. Dann geht sie dir trotzdem vorher ein.

Genauso verhält es sich mit der Selbstfürsorge: Wenn du nur in den Ferien gut auf dich aufpasst und ansonsten wochen- oder monatelang deine eigene (mentale) Gesundheit sträflich vernachlässigst, wirst du über kurz oder lang eingehen. Deswegen: Selbstfürsorge. Gerade jetzt.


Ist Selbstfürsorge ein Luxus?

Selbstfürsorge kommt vielen Menschen vor wie ein unerhörter Luxus. Eigentlich ist es aber das genaue Gegenteil: Selbstfürsorge ist eine lebenswichtige Notwendigkeit.

Vielleicht kennst du das Beispiel schon, ich finde es aber dennoch sehr treffend: Wenn du in ein Flugzeug steigst, gibt es am Anfang immer eine Demonstration der Crew über die Sicherheitshinweise. Dabei ist folgender Text zu hören: „Im Falle eines Druckluftabfalls fallen Sauerstoffmasken über Ihren Sitzen heraus. Bitte setzen Sie zuerst Ihre eigene Maske auf. Helfen Sie dann Mitreisenden und Kindern.“

Das Beispiel zeigt ganz hervorragend, dass Selbstfürsorge im Ernstfall lebensnotwendig ist! Wenn du erst deinem Nachbarn helfen willst und dann leider schon vorher ohnmächtig in deinem Sitz zusammenklappst, kannst du niemandem mehr helfen. Weder dir noch anderen. Sorge also gut für dich, dann kannst du gut für die anderen sorgen. Das gilt nicht nur in Extremsituationen wie dem Flugzeugdefekt, sondern auch und ganz besonders im Alltag. Sorge gut für dich, damit du eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer werden kannst.


Denn: Du bist nicht alleine, und wir brauchen dich!


Zum Weiterlesen:

Thurid Holzrichter (2016): Selbstfürsorge als Basis der Lehrergesundheit. Strategien, Tipps und Praxishilfen. Verlag an der Ruhr. 23,99 €. ISBN: 978-3834630773.


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